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Meldungsdetail

Die NVV-Mobilfalt.

Resümee nach einem Jahr: Mobilfalt ist erfolgreich gestartet - Über 4000 Fahrten bisher realisiert

„Mobilfalt ist erfolgreich an den Start gegangen, aber wir brauchen weitere Unterstützer und mehr Zeit“, so lautet das positive Fazit von NVV-Geschäfts-führer Wolfgang Dippel nach einem Jahr Betrieb des bundesweit einmaligen Pilotprojektes Mobilfalt in den Modellregionen. Am 19. April 2013 war in Sontra der Startschuss für das bis Ende des Jahres laufende Projekt gefallen.

Seitdem haben sich mehr als 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, davon über 100 Fahrerinnen und Fahrer in den Pilotregionen Sontra/ Nentershausen/Herleshausen und Witzenhausen im Werra-Meißner-Kreis, im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sowie in Niedenstein im Schwalm-Eder-Kreis registrieren lassen. In dieser Zeit fanden mehr als 4000 Mobilfaltfahrten, mit denen bereits mehr als 4600 Fahrgäste unterwegs waren, statt.

Jedoch wurden in den meisten Fällen dafür Taxifahrten genutzt, die Kosten im Umfang von 50.000 Euro bei 25.000 gefahrenen Kilometern verursacht haben. Private Fahrten wurden in weniger als 10 Prozent der Fälle angeboten.

Hier wollen die Projektpartner Nahverkehr-Werra-Meißner, Fachgebiet Verkehrsplanung und Verkehrssysteme der Universität Kassel, die das Projekt wissenschaftlich betreut, sowie der NVV ansetzen. Gemeinsames Ziel ist es weiterhin, einen höheren Anteil von Privatfahrten - zwischen 20 und 30 Prozent der Mobilfalt-Fahrten - zu erreichen.

„Ein ehrgeiziges, aber realistisches Ziel“, so Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer als Projektleiter der Universität Kassel, „denn unsere Untersuchungen, die wir als wissenschaftliche Begleitung für das Projekt durchführen, haben gezeigt, dass neue Systeme wie Mobilfalt - insbesondere, wenn die Nutzung mit Verhaltens- und Bewusstseinsänderungen einhergeht - Zeit benötigen. In der Verkehrsplanung gehen wir in der Regel von zwei bis drei Jahren aus, bis z.B. eine neues Angebot im Öffentlichen Nahverkehr von den Fahrgästen verinnerlicht wurde und im Alltag genutzt werden kann.“

Dass der bisherige Verlauf des Modellprojektes ein Erfolg ist, zeigt auch die Altersverteilung bei den Fahrtnutzern. Denn die beschränkt sich nicht nur auf ältere Menschen, wie das bei ehrenamtlichen Bürgerbussen oftmals der Fall ist. Die Fahrgäste bei Mobilfalt spiegeln die jeweiligen Alters- und Geschlechteranteile der Modellregionen wieder. Somit hat der NVV ein Modellprojekt aufgelegt, das von allen Menschen in den Kommunen gleichermaßen genutzt wird.

Aus den Untersuchungen geht auch hervor, dass die genutzten Mobilfalt-Angebote der Mitfahrer ihren Schwerpunkt zwischen 9:00 Uhr und 11:00 Uhr sowie nicht ganz so ausgeprägt zwischen 15:00 und 17:00 Uhr haben. Die Untersuchungen der Universität Kassel haben darüber hinaus  ergeben, dass dauerhaftes privates Engagement von Fahrerinnen und Fahrern, weitere Starthelfer sowie unterschiedliche Kontaktwege und ein vereinfachter Zugang, die Akzeptanz des Projektes in der Zukunft verbessern können.

Daran arbeiten die Projektpartner bereits. So hat es eine Reihe von Veranstaltungen gegeben, um auf Mobilfalt aufmerksam zu machen, aber auch um vor Ort Rede und Antwort zu stehen. Außerdem ist vorgesehen, das Buchungsverfahren zu vereinfachen und die bereits bestehende NVV App um die Anwendung für Mobilfalt zu erweitern.

Der NVV plant zurzeit, neue Anreize für das Mitnehmen zu schaffen. Bei der nächsten Aktion können pro Fahrt zusätzlich Mobilfaltpunkte gesammelt werden, die dann gegen einen 10€-Benzingutschein eingelöst werden können. So soll der Anteil an Privatfahrten kontinuierlich gesteigert werden. Zurzeit besteht die Kommunikation für Mobilfalt vor allem darin, das Modellprojekt als neue Komponente des ÖPNV und zusätzliche Mobilitätsoption bei der alltäglichen Lebensplanung ins Bewusstsein zu rücken.

Unterstützt wird der NVV dabei auch vom stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden und Landrat des  Werra-Meißner-Kreises Stefan Reuß: „Wir wollen dieses Projekt in der Region weiter ausprobieren, denn über 4000 Fahrten sind ein Erfolg. Wichtig ist jetzt ein langer Atem, denn wie in vielen Bereichen des Lebens lassen sich Menschen nur Schritt für Schritt überzeugen. Wir haben dafür schon viele Unterstützer gewonnen, die sich in dem Prozess engagieren, so dass wir uns noch zwei Jahre Zeit und eine entsprechende Finanzierung wünschen, um unser gestecktes Ziel auch erreichen zu können.“

Um eine Verlängerung bis 2016 und eine Finanzierung für das Projekt zu erreichen, bereitet der NVV zurzeit Gespräche mit dem Land und allen Kooperationspartnern vor.

Zusammen mit dem Projekt „Garantiert Mobil!“ im Odenwaldkreis (startet zum Jahresende und garantiert eine Fahrt nach spätestens 30 Minuten zum nächsten Unter- oder Mittelzentrum) sollen wichtige Erfahrungen der beiden Projekte in das jeweils andere einfließen. Außerdem wird das Ziel verfolgt, beide Projekte mit einem einzigen mandantenfähigen IT-System auszurüsten.

Neben der tatsächlichen Umsetzung von Mobilfalt in den Pilotkommunen ist das Projekt aufgrund seiner besonderen Konzeption auf bundesweites Interesse sowohl bei den Medien als auch bei Verkehrsverbünden, Kommunen und Parteien in ganz Deutschland und darüber hinaus gestoßen.

Hintergrundinformationen zum Pilotprojekt Mobilfalt

Das bundesweit einmalige NVV-Pilotprojekt Mobilfalt (= Mobilität+Vielfalt). soll den öffentlichen Nahverkehr in ländlichen Regionen attraktiv erhalten, dort wo immer weniger Menschen leben und daher traditionelle Verkehrsangebote zum Beispiel mit Bussen immer schwerer zu finanzieren sind.

Kern von Mobilfalt ist die Verknüpfung des Individualverkehrs in den Pilotregionen Sontra/Nentershausen/Herleshausen (als Kreisgrenzen überschreitender Zweckverband Interkommunaler Zusammenarbeit) und Witzenhausen im Werra-Meißner-Kreis und im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sowie Niedenstein im Schwalm-Eder-Kreis mit allem, was bisher in den Fahrplänen des NVV zu finden ist, egal ob Anrufsammeltaxi, Bürgerbus, Bus, Tram oder Zug.

Besonders viel Resonanz auf das Projekt hat es direkt nach dem Start im April und Mai 2013 gegeben, da stiegen die Teilnehmerzahlen innerhalb von vier Wochen von 90 auf 200. Seitdem ist ein kontinuierlicher Anstieg auf mehr als 700 zu verzeichnen. Die Registrierung für das System erfolgt fast ausschließlich über das Internet, nur wenige nutzen die telefonische Möglichkeit über die neue Mobilitätszentrale in Eschwege.

Die bisherigen Angebote werden im vorhandenen NVV-Tarif- und Fahrplansystem um Fahrten im Auto oder Taxi - falls keine Privatfahrt angeboten wird - ergänzt. Damit integriert Mobilfalt die Privatfahrt mit dem Auto in die verlässlichen Qualitäten des Öffentlichen Personennahverkehrs mit Tarif- und Taktangebot und seiner Infrastruktur von Strecken, Bahnhöfen und Stationen.

Jeder kann seine regelmäßigen oder unregelmäßigen privaten Autofahrten anderen anbieten und erhält dafür einen Zuschuss von 30 Cent pro Kilometer (mit wenigstens einem Fahrgast). Der Preis pro Fahrt für den Fahrgast ist bisher in der Pilotphase mit  1 € bzw. 2 € bei Fahrten über eine Gemeindegrenze hinweg kalkuliert.

Unterstützt werden der Nordhessischen Verkehrsverbund und seine Partner aus den Nahverkehrsgesellschaften des Werra-Meißner-Kreises, des Schwalm-Eder-Kreise und des Landkreises Hersfeld-Rotenburg besonders intensiv von der Hessischen Landesregierung.

Im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie „Mobilität 2050“ flossen 180.000 Euro in die Entwicklungskosten in Höhe von 360.000 Euro. Darüber hinaus beteiligt sich das Land mit 1 Mio. Euro am Versuch selbst.

Die technische Basis von Mobilfalt ist eine internetgestützte Plattform, mit der angebotene und nachgefragte Autofahrten in die bestehenden Fahrpläne für den Nahverkehr integriert und zentral gesteuert werden. Abgerechnet wird über den NVV. Gebucht wird über Internet, Telefon bzw. über die neu entstandene Mobilitätszentrale im Stadtbahnhof Eschwege.

Um herauszufinden, welche Fahrten für Mobilfalt angeboten werden können, finden sich im Internet unter der Adresse www.mobilfalt.de alle Mobilfalt-Strecken mit den vorgesehenen Zeiten. Filtermöglichkeiten im Programm helfen dabei, die passende Strecke und Zeit zu finden.

Die Zugangsmöglichkeiten sind sehr einfach, denn die mitfahrenden Fahrgäste benötigen nicht einmal ein Handy, ein Festnetzanschluss zum Buchen von Fahrten genügt vollkommen. Die Anbieter von privaten Autofahrten benötigen ein Mobiltelefon oder eine Emailadresse, um ihre Fahrtaufträge bestätigen zu können. Wer möchte, kann sich die passenden Mobilfalt-Strecken auch in der Mobilitätszentrale in Eschwege anzeigen lassen oder sich dort telefonisch unter 0800 80 90 688, erkundigen.

Langfristig verfolgt der NVV mit dem Projekt Mobilfalt das Ziel, ein flexibles Angebot für die Bürgerinnen und Bürger mit den neuen Vorteilen für die Mobilitätsanbieter zu verbinden und Mobilität in der ländlichen Region nachhaltig zu sichern.